Thomas Voigt, Otto Group: „Kulturwandel in Unternehmen erfordert Kontrollverlust“
Die Kultur in Unternehmen ist starken Veränderungen ausgesetzt. Thomas Voigt von der Otto Group erklärte am etailment Summit 2016 in Frankfurt, wie man alte und neue Ansätze intelligent miteinander verbindet.
Thomas Voigt, Otto Group: „Wir haben es in unserem Unternehmen mit einer neuen Generation von Mitarbeitern zu tun.“ (Foto: Redaktion)
Lieber online oder doch stationär? Diese Frage stellt sich für Thomas Voigt von der Otto Gruppe in seiner Keynote am etailment Summit 2016 in Frankfurt nicht: „Wir von der Otto Group versuchen beide Welten zu verbinden. Die Wahrheit liegt in der Mitte.“ Voigt war für die erkrankte Neela Montgomery eingesprungen. Der Vortrag beschäftigte sich mit den Änderungen in der Unternehmenskultur, die es braucht, um junge mit eingesessenen Unternehmen zu vereinen.
Corporate Culture als Glaubensfrage
Erfolgreiche Unternehmen brauchen nicht nur tolle Zahlen am Ende des Geschäftsjahres. Das Thema Unternehmenskultur spielt derzeit eine wichtige Rolle in der Otto Gruppe. „Corporate Culture – Was hat denn die Kultur mit dem Unternehmen zu tun?“, fragte Thomas Voigt, „denn heute reden viele nur mehr von Technologie.“ Voigt machte deutlich: „Wir glauben zutiefst daran, das digitale Transformation stattfinden. Es ist jedoch entscheidender, was Menschen mit dieser Technologie machen.“ Nicht jede Neuerung ist innovativ und kann sich durchsetzen, so Voigt. „Es hat was damit zu tun, was Kunden, Lieferanten oder auch Konkurrenten mit dieser Technologie machen.“ Kunden wollen heute ihre Ware zu jeder Zeit an jedem Ort haben. „Die Veränderungen sind so dramatisch, weil sie unser Leben so derartig prägen.“ Allein die Geschwindigkeit erhöht sich immer stärker, etwa das Tempo, in dem wir heute Preise vergleichen können. „Wir müssen schneller sein, besser sein und mit erheblichen Investitionen in diesem Markt präsent sein“, so Voigt, will man weiterhin seine Marktstellung behalten.
Neue Unternehmenskultur bringt Wunsch nach Eigenständigkeit
Voigt: „Wir haben es in unserem Unternehmen mit einer neuen Generation von Mitarbeitern zu tun. Wir haben heute 1.000 Leute im Unternehmen, die nichts anderes machen als Online.“ Diese Generation kommt auch mit anderen Ansprüchen in das Unternehmen, so Voigt: „Es besteht ein großer Wunsch nach Eigenständigkeit. Diese neue Generation hat mit hierarchiegetriebenen Entscheidungen nichts am Hut.“
„Der Kulturwandel in Unternehmen erfordert Kontrollverlust. Es gibt nichts schwierigeres, als Menschen dazu zu bringen, Verantwortung abzugeben.“ Prinzipiell müssen sich Mitarbeiter stärker austauschen, differenzierte Ansätze müssen nicht unbedingt etwas schlechtes sein. Voigt: „Die Verschiedenheit der Menschen sollte als ein Schatz gesehen werden. Man sollte sein Unternehmen nicht in Richtung Startup oder Player streamlinen, sondern diese bestehende Verschiedenheit annehmen und miteinander verbinden.“
Alte und neue Welt miteinander verbinden
„Wir versuchen gerade, den Kulturwandel mit der Sicht zu gestalten, dass dieser beim Vorstand beginnt“, so Voigt, „der Wandel muss zielgerichtet mit einer offenen Atmosphäre passieren. Wir verbinden die alte mit der neuen Welt, weil wir denken, das Kulturansätze der vergangenen 60 Jahren einfach so über Bord geworfen werden können.“



