nach oben

Hartmut Cordes, Microsoft: „Big Data ist fast schon wieder out“

Gepostet in Technologie7 Monate alt • Geschrieben von Manuel StengerKeine Kommentare

Mit Hartmut Cordes begrüßt die etailment WIEN Konferenz (22. bis 24. Februar 2016) den Industry Director – Retail & Distribution EMEA Lead MBS von Microsoft Deutschland. Im Interview hat Cordes über die E-Commerce-Lösungen des Unternehmens gesprochen und verrät, an welchen Projekten Microsoft gerade arbeitet.

Hartmut Cordes von Microsoft. (Foto: Microsoft)

Hartmut Cordes von Microsoft. (Foto: Microsoft)

www.etailment.at: Sie sind einer der Speaker am Konferenztag der etailment WIEN 2016 und treten beim Panel „Digitalisierung des Handels“ auf. Welche Themen liegen Ihnen besonders Herzen?

Hartmut Cordes: Alle Industrien unterliegen seit Jahren einer rasanten Veränderung und insbesondere der Handel. Zunächst geht es mir darum deutlich zu machen, welch wesentliche Rolle „Technologie“ dabei heute bereits spielt und insbesondere morgen spielen wird. Der Kunde und seine künftige Erwartungshaltung stehen im Vordergrund und mir geht es auch um den „Realitycheck“, wie der Handel derzeit darauf vorbereitet ist. Zum Beispiel bei Serviceleistungen, deren Optimierungspotenziale und inspirierende, reale Beispiele aus diversen Branchen, die sehr gut verdeutlichen, welche Differenzierungsmöglichkeiten durch kleine, aber auch größere, technologische Nuancen entstehen können. Wir wären nicht Microsoft, wenn wir nicht mit Innovationsthemen auftreten würden – Stichworte sind: „Supermarkt der Zukunft“, „virtuelle Umkleidekabine“ und „360 Grad-Shopverkäufer“. Wir machen das „Regal der Zukunft“ auf unserem Microsoft Stand im Aussteller-Bereich sogar live erlebbar.

www.etailment.at: Welche Lösungen bietet Microsoft im Bereich E-Commerce? Wie breit ist das Angebot Ihres Unternehmens?

Cordes: Wir bieten innerhalb der Microsoft Dynamics Suite eine vollumfängliche E-Commerce-Lösung. Das bieten aber viele IT-Unternehmen. Ich möchte ebenfalls auf die Bedeutung einer kompletten Omnichannel-Lösung eingehen und was dabei zu beachten ist. Wobei für mich zu Omnichannel auch der POS gehört.

Microsoft ist weltweit einer der größten Handler mit Omnichannel-Präsenz – egal ob online, über unsere Vertriebspartner, die oft selber wiederum Retailer sind, oder in unseren „Connected Microsoft-Stores“, wo Mitarbeiter direkt über Smartphones und Tablets alles dabei haben was sie brauchen – Produktinfos, Lagerbestände, Lieferzeiten, Kosten, Kasse, (elektronischer) Beleg, Garantienummern usw. Und selbstverständlich setzen wir alle unser Lösungen auch selbst ein.

www.etailment.at: Microsoft ist vor allem durch sein Kerngeschäft im Software- und Hardwarebereich bekannt. Welchen Anteil nehmen Lösungen im Online-/Omnichannelhandel mittlerweile bei Microsoft ein? Beobachten Sie hier einen Shift in den vergangenen Jahren?

Cordes: Professionelle Business-Lösungen sind mit Abstand der größte Bereich bei Microsoft. Omnichannel-Lösungen sind nach wir vor ein stark wachsender Bereich in unserer Lösungspalette, wobei die Themen, die unsere Kunden zum Kauf bewegen heute nicht mehr dieselben wie vor ein paar Jahren sind – Stichwort Industrie 4.0, Internet of Things, Machine Learning sind die Zukunftsthemen, die Firmen unweigerlich zu den darunterliegenden Plattformen wie Microsoft Dynamics AX oder CRM bringen. Es geht einfach um die smarte Vernetzung von mir zur Verfügung stehenden Daten und Prozessen, um mich durch Kundenerlebnisse von Marktteilnehmern zu differenzieren und letztlich auch Kosten zu senken.

www.etailment.at: Gemeinsam mit der Coop Group hat Microsoft bei der letztjährigen Expo Milan den Supermarkt der Zukunft vorgestellt. Welche Ideen sind seitens Microsoft in das Projekt eingeflossen?

Cordes: Der stationäre Handel steht vor einer Riesen-Herausforderung – Kosten senken und gleichzeitig in Kunden und Service zu investieren, um sich attraktiv zu halten, hoffentlich sogar abzuheben. Das hat uns bewogen, in Kooperation mit der italienischen Supermarktkette Coop und Accenture den Supermarkt der Zukunft auf der Expo in Milan aufzubauen, um zu demonstrieren, wie der Spagat beider Anforderungen zu bewältigen ist. Neben Sensorentechnik, über Microsoft Kinect und touchfähige Microsoft Surface Bildschirme, spielt natürlich auch die Informationsaufbereitung für die interaktive Darstellung eine wesentliche Rolle. Preise, Produktinformationen – wie Herkunft, Zutaten, Logistik/Kühlkette – machen letztlich den Unterschied und unterstützen das Serviceangebot der Informationsbereitstellung und reduzieren Kosten für Mitarbeiter-Schulungen.

www.etailment.at: Wie schneidet Ihrer Meinung nach der österreichische Markt im Vergleich zum deutschen ab, wenn man sich die Entwicklung der Digitalisierung des Ladengeschäfts ansieht?

Cordes: Es gibt durchaus viele österreichische Händler und Onlineshops, die durch einen professionellen Auftritt, einen guten Service, zu einem guten Preis den deutschen in Nichts nachstehen. Nichtsdestotrotz bin ich fest der Überzeugung, dass Differenzierung vor allem auch durch Digitalisierung und Innovationen im stationären Handel passieren muss – in Deutschland und auch im „traditionellen“ Österreich.

www.etailment.at: Viele Unternehmen sprechen zwar von Click & Collect, liefern die Ware aber erst nach der Bestellung zu der vom Kunden gewünschten Filiale. Kann man hier Ihrer Meinung nach überhaupt noch von Click & Collect sprechen?

Cordes: Die Motivation von Click & Collect-Shoppern liegt im Sparen von Geld und um rasch zum Produkt zu kommen. Es hilft natürlich nicht, wenn die Click & Collect Lieferung teils länger dauert als die postalische. Eine britische Studie von Blackhawk Engagement Solutions besagt, dass acht von zehn Personen Click & Collect erwägen, wenn sie dadurch schneller an die Ware kommen. Es gibt bei der Lieferung der „letzten Meile“ durchaus noch beträchtliches Optimierungs- und dadurch Differenzierungspotenzial.

www.etailment.at: Stichwort personalisiertes Shopping: Welche Möglichkeiten gibt es, um den Kunden im Geschäft so zu tracken, dass seine Vorlieben und Wünsche erkannt werden? Vor allem, wenn man an seinen nächsten Einkauf denkt.

Cordes: Big Data ist fast schon wieder out, es geht mittlerweile viel mehr um das Resultat daraus – das Schaffen einer Omnichannel Customer Experience. Daten sind künftig eines der wichtigsten Assets für Firmen, um Neukunden über Service und Kommunikation zu gewinnen und bestehende Kunden zu binden. Stichpunkte hierzu sind beispielsweise: Gender/Age-Recognition, Beacons, NFC Tags, Cross-Selling. Im Zentrum muss natürlich immer das Thema Datenschutz stehen, das heißt, der Kunde hat letztlich die Wahl, ob ein Service mehr Wert liefert als seine Anonymität. Wir geben auf der etailment WIEN schöne, reale Beispiele mit – stay tuned!

www.etailment.at: Gibt es bereits weitere Ideen für die Digitalisierung des Handels seitens Microsoft, die derzeit zwar noch nicht möglich sind, an deren Umsetzung aber gerade gearbeitet wird?

Cordes: Es gibt sehr viele interessante Projekte bei Microsoft, zum Beispiel im Bereich Mobile, Augmented Reality (HoloLens) und Internet of Things. Ich hoffe selbst, dass zum Beispiel mein Kühlschrank in Kürze mit Sensoren ausgestattet ist und mir automatisiert einen Vorschlag für meine Einkaufsliste durchschickt – natürlich basierend auf meinem Einkaufsverhalten, Vorlieben, Wetter, Events, durch Machine Learning Analysen, und ich nur noch den Kaufbutton drücke und abends die Lieferung schon vorm Haus steht.

www.etailment.at: Wenn Sie sich das Programm der etailment WIEN 2016 ansehen: Auf welche anderen Programmpunkte freuen Sie sich sonst noch?

Cordes: Ich freue mich vor allem auf den Austausch und die Gespräche mit den österreichischen Retailern und werde daher selbst auch beim Microsoft Stand sein – es tut immer gut ein Ohr am Markt zu haben. Ich interessiere mich natürlich am allermeisten für die Innovationssessions und habe mir hier durchaus schon die ein oder andere herausgepickt, sollte es die Zeit erlauben.

TAGS: ,

Antwort hinterlassen