Ulrich Bachmann: “Vergessen Sie Social Media als direkten Sales-Kanal”
Ulrich Bachmann, CEO der Innsbrucker Agentur Grafikatur, spricht im www.etailment.at-Interview über das Potenzial von Social Media für Onlinehändler.
Für Unternehmen zählt Social Media ja nicht gerade zu den großen Umsatztreibern. Glaubt man dem amerikanischen Analytics-Anbieter Custora, gehen nur magere zwei Prozent aller Online-Bestellungen von sozialen Medien aus. Aber: Facebook, Google+ und YouTube verhelfen den interaktiven Händlern zur Steigerung des Bekanntheitsgrades. Wie Unternehmen gezielt Social Media Kanäle nutzen und bedienen können, um bei Kunden die Lust auf die Marke und das Produkt zu erhöhen, erklärt der CEO der Innsbrucker Agentur Grafikatur Ulrich Bachmann im Gespräch mit www.etailment.at.
“Social Media ist ein Marketingkanal, der vorher geplant und dann strategisch umgesetzt gehört. Aufs gerade Wohl loszustarten bringt nichts, stellt aber immer noch den größten Fehler dar”, erklärt Grafikatur-CEO Ulrich Bachmann im Gespräch mit www.etailment.at.
www.etailment.at: Herr Bachmann, welche Rolle spielt Social Media als Quelle für Kaufpräferenzen und –entscheidungen?
Ulrich Bachmann: Social Media stellt einen sehr wichtigen Kanal für uns Online Marketer dar. Einerseits ist es ein wunderbarer Kanal um Conversions vorzubereiten und Lust auf die Marke bzw. das Produkt zu machen. Andererseits dient er aftersales perfekt, um dem Bedürfnis der Menschen nachzukommen, sich mitzu”teilen”. Je trendiger das Produkt bzw. die Zielgruppe ist, desto geeigneter ist Social Media. Vergessen Sie Social Media als reinen, direkten Sales Kanal.
www.etailment.at: Was sind Ihrer Meinung nach die Kriterien, die Marken auf Social Media aus Nutzersicht sympathisch erscheinen lassen?
Ulrich Bachmann: Keine betriebsblinde Selbstdarstellung, die nur dazu dient, corporate Themen zu transportieren. Authentizität und ein weiter Blick über den Tellerrand. Guter Content und Budget für Facebook Werbung.
www.etailment.at: Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich insbesondere für KMU, die beschließen, in Social Media Kanälen präsent zu sein?
Ulrich Bachmann: Die Contentplanung ist die größte Herausforderung. Nur eine strategisch gut geplante Fanseite macht Sinn. Das Aufkommen an Kommunikation hängt nur noch von der Höhe des Ads-Budgets ab, daher ist es kalkulierbar. Aber gute Beiträge müssen immer sein.
www.etailment.at: Was sind die größten Fehler, die Unternehmen oder Marken in Social Media Kanälen machen?
Ulrich Bachmann: Social Media ist ein Marketingkanal, der vorher geplant und dann strategisch umgesetzt gehört. Aufs gerade Wohl loszustarten bringt nichts, stellt aber immer noch den größten Fehler dar. Nur wenn ich mir vor dem Start dessen bewusst bin was mich erwartet, werde ich einen Chance haben, langfristig Nutzen aus Social Media zu ziehen. Dies gepaart mit einer gewissen Spontanität sind Grundvoraussetzungen.
www.etailment.at: Viele Social Media Kanäle bieten Usern Möglichkeiten, Marken oder Unternehmen zu bewerten. Ist das Empfehlungsmarketing für den Onlinehandel ein Fluch oder Segen? Wie können Unternehmen bzw. Marken mit dieser neuen Herausforderung am besten umgehen?
Ulrich Bachmann: Bewertungen haben in der Tourismusbranche ihren Beginn gemacht. Dort hat man sich lange geweigert zu akzeptieren, dass man regelmäßig online bewertet wird. Erst in den letzten Monaten oder wenigen Jahren gingen auch die Touristiker dazu über, Bewertungen für sich als Vertrauensbeweis zu nutzen. Der Online-Produkthandel hat da schneller reagiert und zeigt die Shop- bzw. Produktbewertung möglichst nahe am Point of sale, da es ein sehr wichtiges Kaufentscheidungskriterium geworden ist. Eine negative Bewertung auf Facebook wird daher weniger Einfluss auf den potentiellen Käufer haben als eine Ein-Stern-Produktbewertung im Online Shop.
www.etailment.at: Oft wird Social Media alleine auf Facebook reduziert. Wo sollten Onlineshop-Betreiber Ihrer Meinung nach noch unbedingt vertreten sein?
Ulrich Bachmann: Ich bin Anhänger der Multikanalstrategie. Nur wer begreift, dass Marketing und Online-Marketing im speziellen nicht isoliert nach Kanal betrachtet werden dürfen, sondern ein großes Ganzes darstellen, wird sich auch bei der Wahl der Social Media Kanäle leicht tun. Generalrezept gibt es keines, Facebook ist zu 98 Prozent ein Muss B2C. Bitte aber nur jene Plattformen bedienen, für die ich Content habe und die meine Ressourcen noch bedienen können. Ein Blog mit coolen Beiträgen, die auf Facebook gepostet werden und mit Infografiken gespickt sind, die ich auf Pinterest poste sind schon mal ein guter Anfang. Damit erschlage ich SEO, Facebook und Pinterest. Aber Step 1 nicht vergessen: An die Schreibtisch und planen.
www.etailment.at: Klingt gut! Aber worauf sollte man bei der Planung von Social Media Aktivitäten ganz besonders achten?
Ulrich Bachmann: Do it yourself. Lasst Euch von Euren Agenturen inspirieren, unterstützen und tolle Multi Media Inhalte machen. Den fachlichen Input liefert aber immer das Unternehmen selber, sonst wird es unglaubwürdig.
www.etailment.at: Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie fit schätzen Sie den österreichischen Handel in Bezug auf die Nutzung von Social Media Kanälen ein?
Ulrich Bachmann: Ich würde ich maximal 2 bis 3 Punkte vergeben. Selbst die großen Marken aus den Branchen Elektro, Bücher, Kleidung posten tagein, tagaus stupide ihr Produktangebote und Werbungen und verlosen das 1.000.000-te Ipad. Ein Trauerspiel, hervorgerufen dadurch, dass messbare Conversions über Social Media rar sind und zwar jeder was von Mulitkanal gehört hat, aber es dann scheinbar doch nicht versteht.
www.etailment.at: Danke für die Einschätzung. Also ab zur klassischen Abschlussfrage: Was ist in den nächsten zwei bis drei Jahren zu erwarten? Was sind die Megatrends für den Handel in Social Media?
Ulrich Bachmann: Es wird keine Megatrends geben. Ich glaube weder, dass es die Instagram Shopping Mall, noch das Facebook Kaufhaus geben wird, weil die Kanäle – ich wiederhole mich – Conversions vorbereiten und Kundenbindung betreiben. Die Challenge wird vielmehr darin liegen, dass ich meine Marke, meinen Shop dadurch bekannt mache, dass Leute anfangen über meine Produkte zu reden, als ständig nur das 1.000-te Sonderangebot zu posten. Hier wird der mobile Konsum eine wesentliche Rolle spielen. Die Geschichten werden nicht daheim am PC erzählt, sondern unterwegs, während das Produkt im Einsatz ist, egal wo ich mich gerade befinde. Social Media ist auch ein Kanal der besonders den offline Handeln ein Stück näher dem Online Kunden bringt, also “traut’s euch Leute!”
