“Der Kunde gestaltet und produziert sein eigenes Produkt”
Ein Panel am etailment Summit 2.014 in Berlin trug den Titel „Me-Product – Geschichten erzählen mit Produkten“. Wie man in einem Nischenmarkt mit personalisierten Produkten Erfolg haben kann, erläuterten vier Experten in einer Diskussionsrunde.
V.l.n.r.: Robert Blanck, Leiter E-Commerce bei der “Bild”, Moderator Klaus Mehler, Chefredakteur bei “Der Handel”, Elke von Borcke, Marketing Director von DaWanda, Felix Rohland und Thomas Jaenisch, Gründer und CEO von myboshi/Foto: Manuel Stenger
„Me-Product – Geschichten erzählen mit Produkten“ hießt es bei einem der Panels beim etailment Summit 2.014 in Berlin. Auf dem Podest begrüßte Moderator Klaus Mehler, Chefredakteur von „Der Handel“, vier Insider zu diesem Thema: Elke von Borcke, Marketing Director von DaWanda, Thomas Jaenisch und Felix Rohland, Gründer und CEO von myboshi, und Robert Blanck, Leiter E-Commerce bei der “Bild”. Gemeinsam fragte sich die Runde: Wie schaffen es Unternehmen, mit einer Marke beziehungsweise ihren Produkten Geschichten zu erzählen?
„Social Commerce“ mit DaWanda
„DaWanda wendet sich mit dem eigenen Modeangebot an eine weibliche Zielgruppe, die gebildet ist und eine hohe Kaufkraft besitzt, so von Borcke. Das Unternehmen bietet Verkäufern an, auf der Plattform von DaWanda selbstgemachte und einzigartige Produkte zu verkaufen. „Dabei bekommt der Kunde ebenso die Möglichkeit, mit dem Hersteller in Kontakt zu treten“, wie von Borcke betont. Diese Idee des Verkaufens wird von DaWanda als „Social Commerce“ bezeichnet. Ein Kriterium wie Einzigartigkeit bedeutet aber nicht, dass nur selbstgemachte Produkte angeboten werden, sondern zum Beispiel auch Artikel aus der Kategorie “Vintage”.
Personalisierte Produkte selbst kreieren
Rohland und Jaenisch haben mit myboshi ein Unternehmen ins Leben gerufen, das mit Bastel- und Handarbeitsprodukten handelt und dazu auch gleich die passenden Vorlagen liefert. Durch diese kann sich der Kunde inspirieren lassen, um sein eigenes, personalisiertes Produkt zu schaffen.
Rohland über das Konzept des Unternehmens: „Wir geben Tipps, wie man die gewünschten Produkte macht. Die Kunden holen sich bei uns Ideen, die er individuell noch weiterentwickeln kann. Mit der benötigten Wolle bekommt der Kunde ebenfalls die Materialen dazu, die dieser zum Umsetzen seiner Vorstellungen braucht.“ An dieser Stelle erwähnte Jaenisch den sogenannten „Mützen-Konfigurator“. Die Kunden erhalten Vorgaben, mit denen sie ihre eigenen Ideen einbringen können. „Wir geben beispielsweise das Design oder eine Auswahl an Farben vor“, so Jaenisch. „Der Kunde bekommt entsprechende Materialien zugeliefert, gestaltet und produziert sein eigenes Produkt.“ Und an Elke von Borcke von DaWanda gerichtet, sagt Jaenisch: „Das Produkt kann dann beispielsweise auf entsprechenden Plattformen verkauft werden.”
Männlich und sportbegeistert
„Wer sind die User auf der Seite der “Bild”?“, fragt Moderator Mehler den Leiter E-Commerce, Robert Blanck. „Vor allem sind diese männlich und sportbegeistert. Darum haben wir uns bei der „Bild“ vor allem auf Fußball Merchandising fokussiert“, so Blanck. Fußball passt zur „Bild“, wie er betont: Der Sport ruft immer wieder Emotionen hervor und kann so immer wieder mit neuen Geschichten und Emotionen aufgeladen werden. Blanck dazu: „Das Deutschland-Trikot hat sich diesen Sommer während der Fußball-Weltmeisterschaft und vor allem nach dem WM-Gewinn gut verkauft.“
Differenzierung schafft man bei der „Bild“ beim Merchandising zum Beispiel durch Eigennamenaufdrucke, dies auch in größerer Stückzahl möglich. Erzielen Spieler in einem Spiel etwa vier Tore, werden Stories dazu so aufgeladen, dass diese auch entsprechende Produkte im Online-Shop präsentieren. „Lassen Sie sich von Marktplätzen wie DaWanda inspirieren?“, fragte Moderator Mehler. Blanck: „Von DaWanda speziell nicht, prinzipiell aber schon, wenn es um Produktdifferenzierung geht. Wir schauen, wie das Thema Emotion und Passion besser in Verkäufe umgewandelt werden kann.“
Angebote im Nischenmarkt keine „Blase“
Im Zuge der Abschlussrunde der Diskussion fällt von Borcke noch eine Beispiel für personalisierten Handel ein: „Mit den Namen auf den Dosen hat Coca Cola ein gutes Beispiel ins Leben gerufen, wie man durch personalisierte und auf den Kunden zugeschnittene Produkten den eigenen Erfolg ankurbelt. Verkaufen im Nischenmarkt sieht von Borcke nicht als „Blase“. „In fünf Jahren wird dies noch immer ein Thema sein. Lindt bietet ja nun auch personalisierte Schokolade an. Diese Entwicklung wird Hand in Hand gehen, auch mit größeren Anbietern“, ist sich von Borcke sicher.
Blanck schließt sich dieser Meinung ebenfalls an: „Hier handelt es sich um keinen Markt, der alles andere verdrängt, der aber trotzdem wachsen wird. Es wird ein schönes Element sein, mit dem man sich auch als Händler differenzieren kann. Für uns ist das im Fußballbereich auf jeden Fall ein wichtiges Thema.“
„Wo sehen Sie sich in fünf Jahren: Weiter als Startup oder als richtiger Konzern?“, stellt Mehler die Frage an Rohland und Jaenisch von myboshi zum Abschluss des Panels. Rohland: „Zu einem Konzern werden wir eher nicht, so sehen wir uns auch selber eher weniger. Aber wir suchen zur Zeit erneut weitere Mitarbeiter für unser Unternehmen. Auf jeden Fall sollten jene Personen auch eine Leidenschaft zum Handarbeiten haben.“



