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„Der Kunde will die letzte Meile selbst gestalten“

Gepostet in Player3 Tagen alt • Geschrieben von Manuel StengerKeine Kommentare

Harald Gutschi ist Geschäftsführer der Unito Group und mitverantwortlich für die Online-Transformation des Unternehmens. Warum im Digital Business vor allem Geschwindigkeit zählt, verrät Gutschi im Interview mit Werbeplanung.at „update“.

„Wir sind in den vergangenen acht Jahren im Durchschnitt jedes Jahr um mehr als 30 Prozent online gewachsen", so Harald Gutschi, Geschäftsführung Unito Group. (Foto Copyright: Unito Group)

„Wir sind in den vergangenen acht Jahren im Durchschnitt jedes Jahr um mehr als 30 Prozent online gewachsen”, so Harald Gutschi, Geschäftsführung Unito Group. (Foto Copyright: Unito Group)

www.etailment.at: Unito ist vom Versand- zum Onlinehändler mutiert. Was waren die größten logistischen Herausforderungen bei dieser Transformation?

Harald Gutschi: Ja, das ist richtig. Unito erreicht im laufenden Geschäftsjahr einen Onlineanteil von 90 Prozent. Wir sind in den vergangenen acht Jahren im Durchschnitt jedes Jahr um mehr als 30 Prozent online gewachsen. Online heißt Geschwindigkeit, und insofern war die größte logistische Herausforderung das Thema Liefergeschwindigkeit entsprechend den E-Commerce-Maßstäben in den Griff zu bekommen. Aktuell bieten wir daher unseren Kunden Paketware im Standardservice mit Lieferzeiten zwischen zwei und vier Arbeitstagen an. Zudem liefern wir Paketware und Speditionsartikel auf Wunsch auch in 24 Stunden. Insofern mussten wir in unseren logistischen Produktionszentren massiv „Gas geben“ und die Bearbeitungsgeschwindigkeit zu den Kunden massiv steigern.

www.etailment.at: Wie würden Sie die größten Herausforderungen auf der letzten Meile charakterisieren?

Gutschi: Der Kunde will die letzte Meile selbst gestalten dürfen, unabhängig von der Abgabe im Paketshop, in der Paketbox, im Pkw-Kofferraum, Spätzustellung, Wunschtermin, Umrouten der Sendung, Auswahl des Zustelldienstleisters im Bestellprozess. Begleitend dazu will er in seinen persönlichen Konto-Bereich Einsicht nehmen können und sich so jederzeit selbst über seine Sendungen informieren. Dies geht bei Speditionslieferungen so weit, dass wir ab nächstem Jahr eine Sendungsinformation anbieten können, die auf einer Live-Karte die Bewegung des Lkws inklusive hochgerechnetem Eintreffzeitpunkt zur Verfügung stellen. Damit können wir den kostbaren Zeitaufwand des Kunden optimieren und erhöhen somit die Kundenzufriedenheit.

www.etailment.at: Das Thema Mobile hat ja bei der Unito höchste Priorität. Wie können Retouren über Mobile Devices gemanagt werden? Kann der Retourenschein etwa auch am Smartphone/Tablet ausgefüllt werden?

Gutschi: Unito schickt bei all seinen Marken an die österreichischen Kunden bei der Rechnung ein Retourenlabel mit. Das Ausdrucken eines Retourenlabels ist keine vom Kunden wirklich gewünschte Form. Den Kunden ist das zu mühsam. Durch das Mitschicken auf der Rechnung können die Kunden die Retouren bei der Österreichischen Post oder im Hermes-Paketshop abgeben. Hat ein Kunde sein Retourenlabel verloren, kann er die Sendung auch ohne Retourenlabel unfrei, das heißt: auf unsere Kosten, bei der Post abgeben. Hermes bietet zusätzlich seinen Kunden ein System, welches die Anforderung eines Retourenscheines ermöglicht. Per 2D-Barcode am Smartphone scannt der Paketshop den Code ein, druckt ein Retourenlabel und bringt es am Paket an. So benötigt der Kunde keinen Drucker mehr, falls er unser Klebeetikett nicht mehr auffindet.

www.etailment.at: Sie betonen immer wieder die künftige Wichtigkeit von Wearables. Werden Wearable Devices bei Unito im Lager oder der Kommissionierung eingesetzt?

Gutschi: Wir beobachten den Markt, und es gibt hierzu sehr spannende Entwicklungen, beispielsweise durch das österreichische Lagerlogistikunternehmen Knapp. Pick by Vision mittels Augmented Reality: Ein Mitarbeiter wird mit einer Datenbrille durch das Lager gesteuert, um den richtigen Lagerplatz zu finden. So wird automatisch die Entnahme gebucht. Eine überaus spannende Technologie, die sich für manuelle Lager durchsetzen könnte.

www.etailment.at: Eine neue Studie der Otto Group und Hermes zeigt, dass der Onlinehandel umweltfreundlicher ist als der stationäre Handel. Welchen Stellenwert nimmt hier die Logistik ein?

Gutschi: Die Studie zeigt ganz klar auf, dass der Onlinehandel umweltfreundlicher ist, als der Stationärhandel. Die Studie wurde vom deutschen CleanTech Institut durchgeführt. Die Einzelfahrten in Geschäft führen zu mehr CO2-Ausstoß als gebündelte Zulieferfahrten für den Onlinehandel. Wir motivieren unsere Dienstleister dazu, umweltfreundlicher zu arbeiten. Insbesondere die Österreichische Post und Gebrüder Weiß darf man hier lobend hervorheben. Die Österreichische Post stellt 100 Prozent unserer Sendungen CO2-neutral zu. Dies machen sie, indem sie CO2-Ausstoß vermeiden und mittlerweile viele Elektrofahrzeuge einsetzen. Zudem wird die laufende Flotte ständig erneuert und auf den modernsten Stand der Technik gebracht. Es ist ein wirklich gutes Gefühl für unsere Kunden, sehr nachhaltig und umweltbewusst im Onlinehandel einkaufen zu können. Insofern ist unser Partner für die Paketzustellung die Österreichische Post. Obwohl in 2016 DHL auch im B2C-Bereich in Österreichs Paketmarkt einsteigen wird, glauben wir, dass DHL es in Österreich nicht leicht haben wird. Die spezifische Geografie Österreichs, die Kombi-Zustellung der Österreichischen Post im ländlichen Raum (Kataloge, Briefe und Pakete erfolgen durch einen Zustellvorgang), die hohe Frequenz in den österreichischen Postfilialen und deren Postpartnern wird DHL erhebliche Anstrengungen abfordern, um in Österreich auf ein adäquates Niveau zu kommen. Wettbewerb per se ist zu begrüßen, und wir freuen uns sehr, dass die letzte Meile einer unglaublich hohen Innovationsbeschleunigung unterliegt. Insofern sehen wir der Zukunft optimistisch entgegen. Die letzte Meile wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil des Onlinehandels gegenüber dem stationären Handel.


Zur Person

Harald Gutschi ist Geschäftsführer der Unito-Gruppe: Seit 2007 verantwortet Gutschi als Sprecher der Geschäftsführung die Ressorts Marketing und Vertrieb inklusive E-Commerce und Category Management innerhalb der Unito-Gruppe. Davor war er für Neckermann von 1998 bis 2005 in Österreich und danach bis 2007 in Deutschland in der Geschäftsführung tätig.

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