So funktioniert E-Commerce „auf Österreichisch“
No na: Online Shopping boomt auch in Österreich. Doch nur zwei der 15 größten Online-Anbieter in Österreich haben hier auch ihre Firmenwurzeln. „Ein Rückstand, der so groß nicht sein müsste“, weiß Richard König, Co-Gründer von mStage, einer Web-Shop-Agentur mit Sitz in St. Pölten. Schon mit geringem Aufwand könnten Online-Shops die „Rotweißrot-Karte“ spielen und ihre Marktposition verbessern. „Wenn sich ein österreichisches Unternehmen auf seine Vorteile besinnt, die es als heimisches Unternehmen heimischen Kunden gegenüber hat, und sie online konsequent umsetzt, dann bedeutet das signifikant mehr Umsatz und Gewinn im Online-Shop“, meint König.
Nutzen von “Online-Patriotismus” und Märkten
Österreichische Online-Händler könnten von der derzeitigen Kritik an den Big Players a la Amazon und Zalando profitieren: „Online-Käufer lassen sich von Diskussionen um ethische Fragestellungen zunehmend beeindrucken und suchen nach Alternativen“, so König. Darin sieht er eine Chance für kleinere, lokal verankerte Internetshops: „Die Logik des ‚Fahr nicht fort, kauf im Ort’ kann man durchaus für das Internet adaptieren.“ Österreichische Onlinehändler könnten demnach mit lokaler Wertschöpfung und hohen ethischen Ansprüchen Kunden gewinnen. Man müsse die Themen aber natürlich aktiv in der Kundenansprache verarbeiten, ergänzt König. Zudem sollte jeder österreichische Shop das Liefergebiet von Beginn an auf Deutschland ausweiten.
Der zusätzliche Aufwand sei überschaubar, gleichzeitig ist der deutsche Markt zehnmal größer als der österreichische. „Geschickter Weise richtet man dabei Gesetzestexte wie etwa Allgemeine Geschäftsbedingungen oder Widerrufsrecht von Beginn an auf den deutschen Markt aus. EU-Gütesiegel oder ‚Trusted Shop’-Zertifizierungen sind bei einem Deutschland-Start ebenfalls Pflicht“, erklärt mStage-Mitgründer und -Geschäftsführer Mario Lengauer. Ab einer gewissen Größe des Shops seien auch ein deutscher (Logistik)-Standort und eine deutsche Bankverbindung wirtschaftlich sinnvoll.

„Der Patriotismus der österreichischen Käufer ist größer als man denkt. Das müssen Anbieter erkennen und als USP in ihrer E-Commerce-Strategie aufgreifen“, erklärt mStage-Mitgründer und -Geschäftsführer Mario Lengauer.
Suchmaschinenmarketing „auf Österreichisch“ und Lokalkolorit
In Bezug auf Suchmaschinen-Marketing haben österreichische Shops Vorteile gegenüber Anbietern aus anderen Ländern, da Google auch lokale Komponenten in seine Suchergebnisse miteinbezieht. Wichtig seien eine fundierte Mitbewerbs- und Keywordanalyse sowie eine rasche und konsequente Umsetzung der Marketingmaßnahmen: „Sowohl in der Sprache, als auch bei der Lokalisierung ist auf den Österreich-Bezug zu achten“, erklären Lengauer und König. Auch Trust-Elemente mit Österreich-Bezug eignen sich demnach zum Betonen der lokalen Beziehung, ebenso wie eine dezente Österreich-Flagge im Online-Werbebanner. „Wer eine lokale Niederlassung oder Geschäft hat, sollte Fotos davon zeigen. Generell gilt: Offenheit schafft Vertrauen“ so König. Hierfür eignen sich etwa Fotos von Ansprechpartnern oder ein Click-and-collect Service.
Für das Online-Marketing bewährt haben sich für österreichische Online-Shops lokale österreichische Plattformen und Medien, die von internationalen ausländischen Anbietern kaum genutzt werden, erklären Lengauer und König. Branchenportale, Branchenzeitungen, lokale Veranstaltungen, Messen sowie Gutscheine können potenzielle Kunden zum Onlineshop führen. „Ich bin davon überzeugt, dass österreichische Anbieter mehr Mut haben sollten, sich den internationalen Mitbewerbern zu stellen. Der Patriotismus der österreichischen Käufer ist größer als man denkt. Das müssen Anbieter erkennen und als USP in ihrer E-Commerce-Strategie aufgreifen“, schließt Mario Lengauer.



