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Snapchat in fünf Minuten verstehen – mit tollen Marketing-Beispielen

Gepostet in Marketing4 Monate alt • Geschrieben von Olaf KolbrückKeine Kommentare

Snapch-in-5-Minut-versteh---mi-toll-Marketi-Beispi-15183-detailSnapchat, kaum ein Netzwerk wird derzeit so heiß hochgejazzt wie der Bilder-Chat. Der „Spiegel“ erklärt Snapchat schon zum Angstgegner für Facebook. Fest steht: mit mehr als sieben Milliarden mobilen Video-Views am Tag, bei 100 Millionen Nutzern, kann Snapchat ein neuer digitaler Gigant werden. Der Foto-Dienst mit Selbstzerstörungsfunktion könnte damit auch für Händler und Hersteller zu einer wichtigen Plattform für die Kommunikation mit dem Kunden werden.

Doch wie? Und warum überhaupt? Und wer soll den Sinn einer Foto-Messenger-App, bei dem Bilder schon binnen Sekunden wieder im digitalen Nirvana verschwinden, überhaupt verstehen? Wir helfen Ihnen in wenigen Minuten auf die Sprünge.

Okay, was ist das eigentlich genau dieses Snapchat?

Es ist eine Messenger-App mit der man Schnappschüsse (englisch Snapshot) als Bild oder Mini-Video an seine Freunde verschickt. Man kann auch Bilder aus der Foto-Bibliothek im Smartphone versenden. Natürlich kann man auch mit den Freunden chatten.
Zentrales Element von Snapchat: Die Bilder bleiben nach dem Öffnen maximal zehn Sekunden sichtbar. Oft weniger. Danach löschen sie sich automatisch. Und: Was man nicht binnen 24 Stunden gesehen hat, verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Die Bilder und Videos kann man sich zudem nur einmal ansehen. Aber: Nutzer können sich Nachrichten noch einmal anzeigen lassen. Drei Wiederholungen kosten 99 Cent. Zeit ist Geld.

Häh?

Genau. Bei Snapchat geht es um das ganz flüchtige „Hallo“ mit Menschen, die beim Wort „Aufmerksamkeitsspanne” sowieso nicht bis zehn zählen können. Damit das visuelle Erleben bunter wird – bevor es sich in Luft auflöst – stehen beim Foto-Dienst mit Selbstzerstörungsfunktion allerlei Filter und Emojis bereit, mit denen man seine Bilder verfremden und aufpeppen kann. Auch Texteingaben sind dabei möglich. Man kann auf seinem Bild auch einfach herummalen, bevor man es abschickt. Zusätzlich gibt es einige animierte Spezialeffekte und Sticker. Die sind teils lustig bis albern, bewegen sich irgendwo zwischen Kindergeburtstag und Karneval.

Snapchat in 5 Minuten verstehen - mit tollen Marketing-Beispielen

Der hochverehrte Kreative Marcus John Henry Brown zeigt die Abstrusität von Snapchat.

Außerdem kann man Bilder zu Geschichten zusammenfügen, die dann 24 Stunden lang halten, unabhängig wie oft sie geöffnet werden.
Snapchat bietet zudem inzwischen die Funktion „Discover“. Da sind bereits einige Medientitel vertreten, die dort regelmäßig ihre Storys platzieren und diese teilweise so hektisch präsentieren, dass ein Stroboskop dagegen eine gemütlich flackernde Kerze ist.

Das ist doch alles Kinderkram?!

Natürlich. Aber wenn das die Zielgruppe ist, dann wäre das ein lohnender Kanal. Und manchmal entdeckt man ja auch das Kind im Manne (Siehe links). Sixt hat die App für den medialen Schnellverzehr schon mehrfach für innovatives Storytelling getestet. Beispielsweise wurden Testfahrten mit einem BMW i8 zu einer Story zusammengefasst. Ergebnis: Mehr als 1.000 Views am ersten Tag.

Snapchat in 5 Minuten verstehen - mit tollen Marketing-Beispielen

Da kann ich ja auch Handzettel in der Fußgängerzone von Gießen verteilen!

Danke für den Zwischenruf aus den 80er Jahren. Setzen Sie sich bequem. Nehmen Sie sich einen Keks und sagen Sie uns, was die Werbung mit Fähnchen über ihr Image und ihr Selbstverständnis aussagt. Außerdem kann das mit der Reichweite ja noch werden. Und man muss es ja nicht alles selbst machen. Kennen Sie das Aal-Prinzip (Andere arbeiten lassen)? YouTube-Stars wie „Dagi Bee“ bringen es auf 50.000 bis 170.000 Abrufe bei der Wisch&weg-Zielgruppe. Pro Tag. Die YouTuberin Melina Sophie erreicht mit ihren Snaps durchschnittlich 150.000 User. Solche Influencer für seine Social-Media-Strategie, für Snapchat einzuspannen, oder diese für den eigenen Snapchat-Account Werbung machen zu lassen, könnte also eine gute Idee sein.

Warum soll mich das überhaupt interessieren?

Weil Snapchat zu den am stärksten und schnellsten wachsenden Kanälen gehört. Der Dienst ist bei Jugendlichen beliebter als Twitter, Pinterest und Vine. Und jetzt können sie hierzulande noch experimentieren. Sie erhalten mehr Aufmerksamkeit, weil es noch nicht so voll ist, wie auf der Facebook-Kirmes. Und Sie zeigen, dass ihr Unternehmen für Innovationen steht. Für alle anderen: Ein Snapchat-Projekt macht sich sicher gut im Lebenslauf.

Gibt es denn schon Marken, die das einsetzen?

Snapch-in-5-Minut-versteh---mi-toll-Marketi-Beispi-15179-detailOh ja, jede Menge. Die mit dem „Early Adopter” in der Trademark. Adidas, Puma, Nike, Sixt, Taco Bell, Red Bull, Asos, Target, Amazon, Burberry, Everlane , Nordstrom, Neiman Marcus, Saks Fifth Avenue und Birchbox haben ihre ersten Gehversuche hinter sich. Die üblichen Verdächtigen eben. Mit dabei sind auch die US-Präsidentschaftskandidaten und natürlich wichtiger – einige Vereine der Fußball-Bundesliga.

Und was haben die Unternehmen von diesem Fire & Forget?

Snapchat ist eine unmittelbare, direkte Form der Kommunikation. Weil man seine Bilder, beispielsweise Produktvorschauen mit Smileys, bunten Linien und allerhand Gedöns verzieren kann, wirken sie individueller und nahbarer als eine Werbeanzeige. Die kurze Lebenszeit der Bilder kann zudem nützlich sein, um bei Aktionen einen stärkeren Mitmachimpuls auszulösen. Man kann es also ganz ordentlich einsetzen, um neue Produkte zu zeigen, Coupons zu verteilen, Gewinnspiele loszutreten. Immer wieder gerne genommen: Behind-the-scenes-Aktionen wie bei Burberry, das per Stories hinter die Kulissen der Mario Testino Kampagne blicken ließ. Etliche US-Marken versorgen ihre Fans gerade während der New York Fashion-Week mit Inhalten. Auch Bloomingdales und Neiman Marcus gehören dazu.

Snapchat in 5 Minuten verstehen - mit tollen Marketing-Beispielen
Snapchat in 5 Minuten verstehen - mit tollen Marketing-Beispielen

Bloomingdales erzählt Geschichten von der Fashion Week

Snapchat in 5 Minuten verstehen - mit tollen Marketing-Beispielen

Neiman Marcus schaut hinter die Kulissen samt eigenem Logo-Sticker

Also ich kenne niemanden, der das nutzt. Aber ich hab das jetzt trotzdem ausprobiert. Bei Snapchat finde ich aber nur meinen Neffen, weil der auch in meinem Adressbuch ist. Was soll das also? 

Sehen Sie? Es ist für Teens und Twens. Fragen Sie Ihre Kinder, die Freunde Ihrer Kinder oder die Teenager bei Buzzfeed. Die Kernzielgruppe liegt irgendwo zwischen 15 und 25 Jahren. vermutlich ist sie eher jünger. Haben Sie die Stickereffekte, siehe oben, gesehen? Ganz sicher ist die Zielgruppe eher jünger.

Ich habs nochmal ausprobiert und bin bei der Bedienung halbwahnsinnig geworden. Wie funktioniert das genau?

Stimmt: Snapchat ist eine Usabilty-Wundertüte. Die User Experience ist etwas für geschulte Kinderhände und nervöse Finger. Es geht im Kern so alles, was man von andere Apps kennt. Drücken, links, rechts, oben, unten, schräg wischen, klicken, Finger draufhalten, Finger lange draufhalten. Das kann man im Detail gut hier nachlesen oder einfach ausprobieren.
Das sollte man ohne Scham tun. Aber auch wenn Sie dann versehentlich eine Nachricht an Amazon geschickt haben: So what? Und wenn ein Bild irgendwohin versendet wird? Ihre ersten Versuche wird eh kein Mensch sehen. Und wenn Sie völlig verzweifelt und desorientiert sind (was Sie sein werden), werden Sie sich erstens sehr, sehr alt fühlen, und sich hoffentlich motivierend an den Lego-Kasten in der Kindheit erinnern, als sie Steine aus einer alten Waschmitteltonne (also ohne Usabilty) holten und einfach ohne Anleitung drauflosbauten. Freuen Sie sich auf das Erfolgsgefühl, wenn dann mal was klappt. Dieses belohnende Gefühl des Entdeckermodus ist ganz sicher Teil des Konzepts und mit der kruden Usability grenzt Snapchat auch Mami und Papi aus.

Wie bekomm ich all diese hyperaktiven Kids dazu, sich mit meiner Marke bei Snapchat anzufreunden?

Tja. Entweder wissen die Snapchat-Nutzer den genauen Namen des Account, dem sie folgen wollen und tippen den in ihre Kontaktliste. Das ist nicht immer ganz ohne. Asos Deutschland findet man beispielsweise unter asos_de. Auch die YouTube-Stars heißen zuweilen etwas anders. Gottlob weiß die Fachpresse „Bravo“ Rat. Alternative: man verbreitet über andere soziale Netzwerke sein Snapchat-Profil. Das Profil, der Snap-Code, ist ein Snapchat-Logo, mit Punkten drumherum. Das erstellen Sie selbst in der App. Siehe hier:


Den Snapcode kann dann jeder Nutzer per Snapchat einscannen und – schwupps – den Kontakt „adden“. Sprite in Brasilien hat beispielsweise entsprechende Codes auf seine Dosen gepappt und das ganze auch per YouTube beworben. Wer solcherlei plant, sollte einen Blick auf die Brand Guidelines werfen.

Snapchat bietet zudem zumindest schon in den USA Marken die Möglichkeit, die bei Nutzern so begehrten und beliebten Filter zu sponsorn, beispielsweise über den Einsatz von Geofiltern.

Snapchat in 5 Minuten verstehen - mit tollen Marketing-Beispielen

Filter, insbesondere die animierten Spezialeffekte, bei denen man im Foto oder Video Schweineöhrchen tragen und die Zunge rausstrecken kann (Doch, doch – Snapchat-Nutzer finden das unterhaltsam) sind bei den Nutzern begehrt. Der Spielerei wegen. Außerdem limitiert Snapchat seine eigenen Filter. Die verschwinden nach einiger Zeit manchmal auch wieder. Einfach so. Snapchat lässt die Effekte rotieren.

Muss ich das jetzt auch noch machen?

Snapchat in 5 Minuten verstehen - mit tollen Marketing-Beispielen

Dem Autor Olaf Kolbrück können Sie bei Snapchat folgen.

Snapchat ist derzeit ganz nah am Puls der Zeit. Wer einmal Teenager bei Starbucks beobachtet hat, wie sie mit Lichtgeschwindigkeit durch die sozialen Nachrichten schwirren, wer sieht, wie schnell sie gelangweilt wirken, wenn das mediale Streubomben-Feuer sich verlangsamt, wer weiß, wie groß ihr Gähnen beim Anblick klassischer Werbeformate ist, der könnte in Snapchat die Sublimierung der Kommunikation und des Marketings der Zukunft sehen. Zumindest eines sehr impulsgetriebenen Teils davon, der sehr nach pinkfarbener Zuckerwatte aussieht.

Ob es verkauft? Unklar. Wenn dann zunächst, wie ähnlich auch bei Instagram, durchaus Huckepack über die schon aktiven Influencer wie die
YouTube-Stars. Der Rest braucht Mut für Experimente, darf – vor allem kreativen – Aufwand nicht scheuen und sollte auf weitere Neuerungen bei Snapchat bauen.

Digital-Experte Thomas Knüwer (Agentur: kpunktnull) fasst es gut zusammen: „Die fehlende Möglichkeit, auf Snaps zu verlinken oder sie an anderen Orten einzubauen, ist für mich derzeit der Hauptgrund, warum Snapchat-Marketing sehr schnell an Grenzen stößt. Der Aufwand, dem Qualitätsanspruch einer großen Marke gerecht zu werdende Snaps zu produzieren, ist nicht ohne. Und dann ist jenes Ergebnis nach 24 Stunden wieder weg, ohne dass die Reichweite der Social Web-Kanäle der Marke genutzt werden kann. Nötig wäre eine konsequentes Storytelling mit kleinen Videoelementen, die nicht nur auf Snapchat, sondern genauso auch auf Vine, Facebook, Twitter oder YouTube allein oder im Arrangement funktionieren – alles andere als eine triviale Aufgabe.“

Weitere Zahlen, Fakten und Ideen liefern die beiden folgenden Infografiken:

Snapchat in 5 Minuten verstehen - mit tollen Marketing-Beispielen

Grafik: Kissmetrics

 

 

Diesen Beitrag haben wir von etailment.de übernommen.

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