nach oben

„Wir müssen auch fähig sein, Dinge zurückzulassen“

Gepostet in Marketing4 Monate alt • Geschrieben von Manuel StengerKeine Kommentare

Am 18. November 2014 lud der Handelsverband in Kooperation mit T-Mobile Austria zum Event „Das Internet der Dinge – die Vision der totalen Vernetzung“ ins T-Center in Wien. Folgende Fragen wurden gestellt: Was bietet das “Internet der Dinge” für den Handel? Wie verändert es die Art, wie dieser arbeitet und die Produkte, die der Handel anbietet? Welche neuen Möglichkeiten der Interaktion mit dem Kunden bieten sich? Und wie aufwendig ist eine Umstellung der Systeme? www.etailment.at berichtet vor Ort.

DietmarDahmen_800

Dietmar Dahmen, Global Chief Creative Officer von exc.io austria. Foto: Katharina Schiffl.

„Wir gehen auf ein Zeitalter zu, in dem Maschinen immer mehr miteinander reden. Die totale Vernetzung wird auch den Handel verändern“, eröffnete Franz Zeller, Leiter von Matrix und Digital.Leben bei Ö1 und dem ORF, das Event. Zeller führte als Moderator durch die einzelnen Programmpunkte.

Die Begrüßung erfolgte durch Thomas Kicker, CCO von T-Mobile Austria, und Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des Handelsverbandes. Kicker bezeichnet Daten als „das Gold der Zukunft“ und Zeller betonte, dass Daten und deren Aufarbeitung und Aufbereitung im Handel immer wichtiger werden. „Der Handel befindet sich nicht nur technologisch, sondern auch insgesamt in einem Umbruch“, ist sich Mayer-Heinisch sicher. Gute Daten des Kunden sind laut Mayer-Heinisch auch für den Handel ein Motivator, in entsprechende Technologien zu investieren. „Wann immer Sie heute das Wort „smart“ hören, können Sie sicher sein, dass dahinter sehr stark der Gedanke der Vernetzung steht“, so Zeller.

Dietmar Dahmen liefert „Die totale Vernetzung: Retail Reloaded“

„Wenn wir den Sprung nach vorne wagen wollen, müssen wir fähig sein, auch Dinge zurückzulassen“, ist sich Dietmar Dahmen, Global Chief Creative Officer von exc.io austria, bewusst. Viele Innovationen, auch im E-Commerce, erscheinen uns heute möglicherweise als (noch) nicht sinnvoll. Dahmen weiter: „Doch damals wussten wir bei Erfindungen wie dem Internet oder dem Handy auch nicht, zu was sie einmal gut sein werden beziehungsweise welche Rolle sie in unserem Leben spielen werden.“ So befinden sich etwa Smartwatches in der Entwicklungsphase. Diese könnten in Zukunft viele Vorteile für Kunden sowie Händler bringen. Google Glasses könnten in den stationären Läden der Zukunft erkennen, welche Produkte und Informationen dem Kunden ausgespielt werden müssen.

Prinzipiell bleibt der Markt immer stabil. Zum Beispiel ist der Musikmarkt immer beständig, jedoch verändern sich die dazugehörigen Produkte ständig. Das Umfeld befindet sich laufend im Wandel und so ergeben sich immer wieder neue Gewinner, so Dahmen. Oftmals geben Unternehmen das Tempo vor: So mussten damals Sekretärinnen dazu gezwungen werden, von der Schreibmaschine auf den Computer umzusteigen. Diese Mechanismen funktionieren aber auch in die umgekehrte Richtung: Die mobile Revolution sieht Dahmen als kundengetrieben. Diesem Umstand musste sich beispielsweise auch Facebook beugen.

In der „Sales Revolution“ erkennt Dahmen No-Line als den dominierenden Trend. Wer früher offline angeboten hat, muss dies heutzutage auch online tun und umgekehrt. Ebenfalls spricht Dahmen von einer „Daten Revolution“: So kann Social Media Buzz etwa drei Wochen vor einem Launch den (Miss-)Erfolg vorhersagen. „Fortschritt ist nicht, wie schlau, sondern wie connected man ist“, so Dahmen abschließend.

Von der Massenfertigung zu individualisierten Produkten

„Wir erleben derzeit einen Prozess der Veränderung. Auf der einen Seite gesellschaftliche Veränderung, auf der anderen Seite technologische Veränderungen“, so Volker Lange, Leiter Verpackungs- und Handelslogistik bei Fraunhofer Institut, in seinem Vortrag zum Thema. Lange fragt weiter: „Wie kann man darauf Geschäftsmodelle aufbauen?“ Die Organisation im Unternehmen wird sich verändern – in der Industrie 4.0 werden die Systeme laut Lange flexibel und wandelbar sein und müssen hochgradig dezentralisiert sein. „Wir werden von der Massenfertigung wieder mehr auf individualisierte Produkte setzen müssen“, erläutert Lange. In Hinsicht auf Innovation und Intelligenz wird der 3D-Druck eine wichtige Rolle spielen, wie Lange erklärt: „Unsere Konstrukteure lernen völlig neu zu designen und zu konstruieren. Der Ort der Produktion kann nahezu beliebig gewählt werden. Statt Vorräten setzten wir nun auf „Print on Demand“. Somit kann aus digitalen Informationen individuell Ware erstellt werden.“ Mobile Apps stellen für Lange ebenfalls einen wichtige Investition in die Zukunft dar, wenn es um die Bereiche Echtzeit und Transportüberwachung.

Eine Entwicklung in Wellen

In einem weiteren Vortrag kam Christian Kittl, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter bei evolaris, zu Wort. evolaris ist ein Unternehmen, das laut Kittl „auf den Brückenschlag zwischen Unternehmen und Wissenschaft fokussiert ist“. Dabei liegt der Fokus auf den Bereich Innovationen. Das Internet entwickelt sich in Wellen. Zuerst gab es Internet am Standgerät, heute ist die ständige Verfügbarkeit über mobile Endgeräte ganz normal. Derzeit läuft der Übergang zum Internet of Things. „Doch dies ist nicht das Ende der Fahnenstange“, so Kittl.

Als Technologiebeispiel nennt Kittl etwa iBeacons. In der Praxis werden diese bereits bei Humanic eingesetzt. Nachdem installieren der richtigen Humanic Applikation erkennt das System, dass ein Angebot gesendet werden kann. Als Vorstufe hat Humanic Avatare umgesetzt: Diese scannen die Fußgröße und geben dem Kunden Modelle und Größen vor, die diesem passen. Humanic hat mit diesem System schon 100.000 Füße gescannt.

Eine weitere Möglichkeit bietet Augmented Reality: Diese Technik ist heute schon mit so einem kleinen Gerät wie dem Smartphone möglich und „wird teilweise schon sehr intensiv benutzt“, wie Kittl erklärt. Als Beispiel aus der Praxis hebt er Ikea hervor – hier lassen sich Möbel aus dem Katalog scannen, mittels Augmented Reality lässt sich erkennen, wie die gewählten Produkte in der Wohnung aussehen würden. Google Glasses werden heute noch als sehr schräg angesehen, könnten aber auch bald bei uns so normal wie das Handy sein.

Abschließende Gruppendiskussion

Am Ende des Events kam es zu einer Podiumsdiskussion mit dem Titel „Machine-2-Machine: Wie verändert das Internet der Dinge den Handel?“. Unter der Moderation von Zeller kamen Florian Abendschein (Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrstuhl für Industrial Design TU München), Matthias Fiegl (Head of Business Marketing & M2M Services T-Mobile Austria), Alexander Peterlik (Business Development Manager GS1) und Thomas Schöfmann (Geschäftsführer Conrad) zu Wort.

Zeller fragt gleich zu Beginn in die Runde: „Welche konkreten Beispiele können aus der Praxis genannt werden, wenn es um das „Internet der Dinge“ geht?“ Fiegl von T-Mobile Austria: „In Rumänien haben wir etwa ein Komplettsystem für Getränkeautomaten aufgestellt. Diese wurden automatisiert und somit ein Business Model geschaffen, von dem der Handel profitiert. Die Händler konnten zu Spitzenzeiten die Preise erhöhen sowie natürlich auch senken.“ Peterlik dazu: „Das sich Preise verändern, gibt es schon längere Zeit, so etwa bei Tankstellen. Mir fällt immer wieder auf, dass Cases gesucht werden, obwohl sie doch schon da sind. Ich denke, Karten beim Skifahren sind hier ein gutes Beispiel.“ Vor allem im industriellen Umfeld sieht Peterlik Herausforderungen auf den Handel zukommen, da in der Produktion und Logistik am meisten zu tun ist.

Gruppendiskussion_800

Thomas Schöfmann (Geschäftsführer Conrad), Matthias Fiegl (Head of Business Marketing & M2M Services T-Mobile Austria), Moderator Franz Zeller, Leiter von Matrix und Digital.Leben bei Ö1 und dem ORF, Alexander Peterlik (Business Development Manager GS1) und Florian Abendschein (Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrstuhl für Industrial Design TU München). Foto: Katharina Schiffl.

„Wir haben bei Conrad 600.000 Artikel zu managen. Dabei muss man ganz genau auf das Kundenverhalten eingegangen werden“, so Schöfmann. Je nach Situation kaufen Kunden online oder offline. Schöfmann: „Der Kunde findet seinen Weg zum Produkt, wir müssen nur verstehen wie er einkauft.“ Hinsichtlich „Internet der Dinge“ sieht er großes Potenzial in der Vernetzung des eigenen Haushalts. „Man sollte sich ansehen, was Kunden tun, und auf diesen Erkenntnissen Geschäftsmodelle aufbauen. Ich denke, dass weder reine Online-, als auch Offline-Geschäfte überleben können. Es wird in Zukunft eine Mischform geben müssen“, so Schöfmann.

„Wenn man vom Internet der Dinge redet, fällt der Blick immer nur auf die Infrastruktur. Big Data auszuwerten stellt auch eine große Herausforderung dar“, versuchte Zeller die Diskussion zu beleben. „Wir sind im Mobil-Bereich schon gut entwickelt. Mobilfunker machen das aber auch schon sehr lange, um den nächsten optimalen Tarif oder Handy anzubieten“, so Fiegl. Die Zukunft sieht er im Big Data Mining, um Rückschlüsse ziehen zu können.

Abendschein sieht außerdem große Herausforderungen beim Datenschutz. Es müssen sich folgende Fragen gestellt werden: Darf ich Daten löschen? Wie lange ist die Haltbarkeit von Daten? Inwiefern bekommt der Kunde eine Garantie dafür, dass seinen Wünschen nachgegangen wurde? Ebenfalls müssen Regeln gesetzt werden, wenn etwa Daten von Kreditkarten mit jenen von Apple zusammengeführt werden. „Die gesamte Datenschutzthematik gehört zeitgemäß überdacht. Nur wenige Unternehmen wissen, wie sie Medien richtig einsetzen, anstatt den Kunden zu langweilen. Oftmals wird es als bequem angesehen, mittels Gießkannensystem Informationen auszuschütten“, so Peterlik. Und auch Schöfmann rät: „Spammen Sie die Leute nicht zu.“

TAGS: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Antwort hinterlassen